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Ich überlege schon lange, ob ich diesen Beitrag überhaupt veröffentliche, da ich mich damit so fühle, als ob ich meine Seele offen lege. Aber ich habe beschlossen es doch zu tun und vielleicht kann ich so jemandem helfen, der ebenfalls eine unheilbare bakterielle Infektion hat.

Als ich vor sechseinhalb Jahren Mutter wurde veränderte das mein Leben. Doch wie sehr sich mein Leben veränderte konnte keiner ahnen….bei der Geburt meiner ersten Tochter infizierte ich mich mit dem Keim Staphylococcus aureus und hatte bis zum Februar diesen Jahres keine Ahnung davon…..

Das veränderte mein Leben zu einem fortwährenden Alptraum ohne zu wissen warum. Als erstes war es auffällig, dass die Kaiserschnittnarbe nicht verheilen wollte. An einer Ecke suppte und eiterte es 8 Wochen lang. Meine Gyn hatte dann anschließend Silbernitrat draufgegeben, so dass die Haut verätzte und abstarb. Somit war die Wunde endlich verschlossen. Aber anscheinend hatte sich der Keim bereits in meinem Körper ausgebreitet. Ich war ständig krank. Ein Infekt jagte den nächsten. Ich hatte eine Nebenhöhlenentzündung nach der anderen. Kaum war ich eine Woche wieder auf den Beinen, kam der nächste Infekt. Ich war ständig unfähig meine Tochter zu versorgen oder zu arbeiten. Irgendwann ließ ich mich nicht mehr krankschreiben und ging krank zur Arbeit. Danach war ich natürlich jedes Mal so erschossen, dass ich zu Hause nur noch schlafen wollte, was aber mit einem Kind natürlich auch nicht ging. Ich weiß nicht wie oft meine Mutter einsprang und mich entlastete. Es war grauenvoll. Ich ging von Arzt zu Arzt und keiner konnte mir helfen. Wie oft ich ein Antibiotikum bekam kann ich gar nicht mehr aufzählen. Zwischendurch hatte ich Phasen, da ging es so halbwegs, aber sobald Emily irgendetwas aus der Krabbelgruppe mitbrachte oder aus dem Kindergarten lag ich drei Mal so lange flach wie das Kind. Dann kam Laura. Die Belastung verdoppelte sich also und mir ging es nach wie vor schlecht.

Nach sechs Jahren leiden wollte ich der Sache auf den Grund gehen und startete einen Arztmarathon. Ich konsultierte mehrere Fachärzte und am Ende stand fest, dass nur eine OP Abhilfe schaffen würde, denn durch die ständigen Entzündungen hatten sich die Schleimhäute in meinen Nebenhöhlen so sehr verdickt, dass ich deshalb schon keine Luft mehr bekam. Also ließ ich mich überreden und kam Anfang Januar ins Krankenhaus. Es wurden sämtliche Höhlen ausgeräumt, die Scheidewand begradigt und die Nasenmuscheln verkleinert. Die OP allein war schon der Horror. Die Behandlung durch das Personal eine Frechheit. Als ich direkt nach der OP wach wurde, brach noch im Liegen mein Herz-Kreislauf-System zusammen. Die Schwester wurde sehr ungehalten, rupfte an mir rum und meinte so langsam müsste ich mal aufstehen. Als sie dann merkte, dass das nicht ging, bekam ich Cola! Keine 5 Minuten später zog man mir im Liegen meine Hose an, steckte mir die Schuhe an die Füße und verfrachtete mich in einen Rollstuhl, um mich in ein anderes Gebäude zu fahren. Ich kann mich bis heute nicht mehr genau erinnern, wie ich in mein Bett auf dem Zimmer kam. Die darauffolgende Nacht war die Hölle. Mein Kopf fühlte sich an, als ob ich unter einen LKW geraten wäre und die Schmerzen danach waren kaum zu ertragen. In der Nacht stieg meine Temperatur und ich bekam Schüttelfrost. Die gerufene Assistenzärztin war sowas von angepisst und ungehalten, dass ich, nachdem die Ziege wieder weg war, erstmal geheult habe. Ich konnte nicht schlafen und mein Kreislauf brach mir an den folgenden Tagen andauernd weg. Mir ging es noch schlechter als vorher. Irgendwann kam dann wieder der Eiter. Die Wunden heilten nicht. Die Ärztin hatte mir so viel Schleimhaut entfernt, dass die Knochen frei lagen. Es war die reinste Katastrophe. Der nachbehandelnde HNO machte einen Abstrich und als das Ergebnis da war fiel ich aus allen Wolken. Ganze drei Keime standen auf dem Labor Bericht.Staphylococcus aureus , Stenotrophomonas maltophilia und Klebsiella ocytoca. Drei sehr gefährliche Keime, die unter ungünstigen Umständen zum Tod führen können. An diesem Tag bekam ich den ersten Nervenzusammenbruch und verfluchte alles und jeden. Ich fragte mich immer wieder, warum ich diese OP gemacht hatte. Ich hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl und hatte mein Bauchgefühl ignoriert. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Der HNO verschrieb mir ein Antibiotikum und sagte zu mir, dass ich jetzt positiv denken müsse. Und genau das ging grade überhaupt nicht. In den folgenden Wochen bekam ich einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen. Meine Mutter musste wiedermal ständig einspringen und die Kinder betreuen, denn ich war weder körperlich noch psychisch dazu in der Lage. Doch irgendwann berappelte ich mich. Ich konnte doch nicht mit Anfang 40 zum Pflegefall werden. Und so recherchierte ich und fand einen letzten Ausweg aus dieser Katastrophe. In einem Forum fand ich die Telefonnummer eines georgischen Arztes, der hier in Deutschland an Bakteriophagen forscht. Die Bakteriophagen wurden vor der Ära des Antibiotikums verwendet. Es sind Viren, die sich ausschließlich von Bakterien ernähren und zwar jede Sorte Phagen von nur einem bestimmten Bakterium. Das machte mir Hoffnung, aber der Eintrag in dem Forum war alt. Wahrscheinlich stimmte diese Telefonnummer nicht mehr, aber ich rief trotzdem an. Und zu meinem Glück ging dort wenigstens die Mailbox dran und ich schilderte kurz mein Anliegen. Ich hoffte, dass dieser Arzt irgendwann anrufen würde, glaubte aber nicht wirklich daran.

Zwei Stunden später klingelte mein Telefon. Der Arzt war tatsächlich dran!! Ich sollte nochmal kurz schildern unter welchen Beschwerden ich litt und dann sollte ich ihm meine Leidensgeschichte per Mail schicken, er würde sich dann melden. Also schickte ich ihm die Mail und wartete. Schon am gleichen Nachmittag bekam ich eine Antwort. Ich sollte einen Abstrich bei meinem HNO machen lasse und diesen in sein Labor schicken. Ich rief sofort meinen HNO an und fragte, ob er bei dieser Behandlungsmethode mitziehen würde. Er stimmte zu, denn eine andere Möglichkeit gegen diese Keime gab es nicht mehr. Also fuhr ich am nächsten Morgen zum Arzt, ließ den Abstrich machen und fuhr dann selber in das Labor des Phagen Arztes. Meine Schwägerin war so lieb mich zu begleiten. Zwischenzeitlich hatte ich zwei volle Packungen Antibiotikum geschluckt und kämpfte mit den Nebenwirkungen. Kreislaufbeschwerden, Übelkeit, Durchfall. Der Befund des Zwischenabstriches kam und es war nur noch der Staphylococcus aureus da. Zwei der fiesen Keime waren also schon mal weg. Das war eine Erleichterung. Also mussten wir uns nur noch um diesen einen hartnäckigen Keim kümmern.

Ich forderte in der Zwischenzeit von meinem damaligen HNO die Abstrichberichte an und tatsächlich, in einem Befund von 2010, also kurz nach der Geburt von Emily, tauchte der Staphylococcus aureus zum ersten Mal auf. Ich hatte mich also wirklich bei Emilys Geburt mit diesem Keim infiziert. Und dieser HNO hatte es versäumt, eine entsprechende Therapie einzuleiten und danach zu kontrollieren, ob der Keim nach der Behandlung weg war. Zumindest bestätigte das jetzt meine Annahme. Rein rechtlich kann ich gegen das Krankenhaus und dem damaligen HNO nichts mehr machen, da die Dreijahresfrist bereits um ist, aber das Krankenhaus, welches mich im Januar operiert hat, das werde ich verklagen. Dieses Krankenhaus hätte nach meinem Erstbesuch untersuchen müssen, warum ich ständig vereiterte Nebenhöhlen habe. Ein einfacher Abstrich hätte gezeigt, dass ich keimbelastet bin. Auf Grund dieser Tatsache hätte man niemals operieren dürfen, denn das Erschaffen der Wunden hat alles noch weiter verschlimmert. Außerdem müssen die im OP sowas von unsauber gearbeitet haben, so dass ich mir gleich zwei neue Keime eingefangen habe. Seit der OP war ich mindestens drei Mal die Woche beim HNO. Jedes Mal hat er abgesaugt, Borken und Eiter entfernt und mir zigmal ein Antibiotikum verschrieben. Er hat sogar noch Knochensplitter gefunden. Normalerweise sind solche Eingriffe nach zwei Wochen verheilt. Ich leide jetzt schon seit vier Monaten unter den Nachwirkungen. Alleine der Zeitaufwand bei den Ärzten und die psychische Belastung sind enorm. Ich war total am Ende meiner Kräfte und hatte nur noch dunkle Gedanken und wurde richtig depressiv. Alleine, dass man irgendwann so am Ende ist, dass man nicht mehr will ist eine Erfahrung, die ich niemandem wünsche.

Eine Woche nachdem ich den Abstrich in das Labor des Phagenarztes gebracht habe, kam das Ergebnis. Er war immer noch der Staphylococcus aureus vorhanden und man hatte auch gleich einen Phagen gefunden, der gegen diesen Keim wirksam ist. Die Phagenlösung wurde für mich hergestellt und ich konnte sie mir direkt in der Apotheke abholen. Mein Bruder war so nett und fuhr mich, denn ich war so angeschlagen, dass ich mir nicht einmal eine Fahrt von einer Stunde über die Autobahn zutraute. Allerdings musste mein HNO etliche Formulare ausfüllen, denn die Phagenbehandlung ist in Deutschland nicht zugelassen und nur in aussichtslosen Fällen erlaubt. Zu diesen Fällen gehörte ich leider.

Ich startete die Therapie mit drei Anwendungen pro Tag. Ich sprühte die Lösung in die Nase, inhalierte und gurgelte. Nach ein paar Tagen ging ich dazu über die Anwendung nur noch zwei Mal am Tag zu machen. Nach 7 Tagen wollte mein HNO wissen, ob die Keime immer noch da sind und veranlasste einen Abstrich. Das Ergebnis war das gleiche. Staphylococcus aureus, aber diesmal nur ganz vereinzelt. Wir kamen zu dem Entschluss, dass wir doch noch eine weitere Runde Antibiotikum drehen, diesmal ein anderes, denn das bisherige ragierte nun auch nicht mehr auf den Keim. Nach weiteren 4 Tagen war der erste Behandlungszyklus mit den Phagen rum und wir machten einen weiteren Abstrich, den ich diesmal selbst in das Labor brachte, denn ich war mittlerweile so fit, dass ich die Autofahrt von einer Stunde locker schaffte. Wir verlängerten die Therapie zwei mal, um einen Rückfall auszuschließen.

Tag für Tag merkte ich, wie ich stärker und fitter wurde. Der normale Alltag fiel mir immer leichter. Ich besprach mit dem Phagenarzt die weitere Therapie. So lange wir noch nicht wussten, ob der Keim weg ist, wollten wir weiter machen. Er ordnete weitere vier Ampullen an, die ich auf drei Wochen mit je zwei Anwendungen aufteilen sollte.

Am 07. April bekam ich dann das Laborergebnis des letzten Abstriches. Es war kein Keimwachstum feststellbar!!! Ich schaute bestimmt 10 Minuten auf das Blatt Papier und konnte es nicht glauben. Der Keim war in dieser Probe nicht nachweisbar. Das hieß zwar nicht, dass der Keim jetzt wirklich weg ist, aber er war zumindest in dieser Probe nicht nachweisbar.

Letzte Woche ging es mir dann plötzlich wieder schlechter. Ich fing an zu husten, hatte dicke Mandeln und die Nase war auch wieder dicht und vereitert. Der HNO machte sofort einen Abstrich und ich war mir sicher, dass einer der Keime wieder zurück war. So schlecht wie es mir plötzlich wieder ging konnte es nicht anders sein. Auch die Phagen brachten keine Besserung. Also saß ich da wieder völlig deprimiert. Aber was sollte es, ich musste abwarten, was das Labor dazu sagt. In meinem Kopf ratterte es. Hatte sich der Keim verändert? Waren die Phagen überhaupt noch wirksam? Der Arzt aus Georgien meinte aber, dass das selbst der schlauste Keim nicht so schnell schaffen würde, sich zu verändern.

Das Ergebnis aus dem hiesigen Labor kam dann Gestern. Ein ganz normaler Erkältungsbazillus….puh. Kein Staph kein Klebsiella oder oder oder. Es war von den bösen Keimen weiterhin nichts nachweisbar.

Das Labor des georgischen Arztes hatte gleichzeitig eine Probe bekommen, aber das Ergebnis steht noch aus und ich hoffe, dass da auch nichts anderes bei herauskommen wird.

Nun sind wir dabei mein Immunsystem auszubauen, denn dass ist in den letzten sechs Jahren völlig zerstört worden. Ich wette auch, dass ich wegen dem Keim plötzlich so viele Allergien entwickelt habe, denn mein Immunsystem kam ja mit gar nichts mehr klar. Das muss sich erst alles wieder beruhigen. Außerdem haben die während der OP so viel Schleimhaut und Knochen entfernt, dass das jetzt offen wie ein Scheunentor ist. Ich muss in der nächsten Zeit also weiter aufpassen. Ich hoffe das wird mir der Zeit alles besser.

Eins ist auf jeden Fall sicher, so schnell bekommt mich keiner mehr in ein Krankenhaus.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen viel Gesundheit!

 

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